Chronik des Turnvereins Concordia Wahrenholz e.V. von 1910

(zusammengestellt anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Vereins von Ernst Gaes, Ulrich Lahmann, Erich Kiemann)

Vorsitzende seit 1910

1910 bis 1945 Friedrich Alpers
1946 bis 1949 Friedrich Borchers u. Friedrich Kalm sen.
1949 bis 1952 Friedrich Fromhage
1952 bis 1955 Lehrer Rühl
1955 bis 1958 Heinrich Wendt
1958 bis 1960 Helmut Mollenhauer
1960 bis 1968 Friedrich Fromhage
1968 bis 1990 Ernst Gaes
1990 bis 2002 Dr. Gerhard Kießler
seit 2002 Ursula Gründemann

 

Als Chronisten dürfen wir für Sie 90 Jahre Vereinsgeschichte Revue passieren lassen. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis, nicht Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Wir können und werden an dieser Stelle daher nur auf die bedeutendsten Ereignisse verweisen. Mit Sicherheit wären auch weitere Details der Erwähnung wert gewesen. Auf der andere Seite kann man aber sagen: “In der Kürze liegt die Würze!”

Die Zahl 90 ist vereinsgeschichtlich wahrlich eine beachtliche Zahl, die vor einem liegend uns unerreichbar erscheint. Das mögen vielleicht auch jene jungen Männer der ersten Stunde gedacht haben, die den Gedanken Turnvater Jahn’s vor 90 Jahren in Wahrenholz haben lebendig werden lassen. 17 Männer waren es, die, nachdem sie in der Umgebung auf verschiedenen Turnfesten Turnerluft geschnuppert hatten, im August 1910 die Gründung eines Turn- und Sportvereins vornahmen und ihre Statuten am 04.09.1910 genehmigen ließen.

Wie so häufig damals, macht man auch in dieser neuen Gemeinschaft aus der Not eine Tugend. Als geeigneten Übungsort wählte man Matthies’ Saal. Weil damals junge Leute kaum Kapital aufweisen konnten, war es der geschäftstüchtige Vereinswirt, der entgegenkommenderweise seinen jungen Freunden das Geld für die ersten Geräte zur Verfügung stellte, welches dann durch allergrößte Sparsamkeit nach und nach wieder zurückerstattet wurde. Mit diesem materiellen Rüstzeug hatte der Verein ein gutes Fundament. So war dann 1912 die Mitgliederzahl schon auf 54, bei Ausbruch des 1. Weltkrieges, 1914, bereits auf 72 Mitglieder gestiegen. Von diesen 72 Männern nahmen 69 am Krieg teil, 18 kehrten leider nicht heim. Eine Ehrentafel von 1922 erinnert heute in der Turnhalle an unsere gefallenen Turnbrüder. Nach einer kriegsbedingten Zwangspause wurde das Begonnene neu belebt. Neben dem Turnen fanden die Sparten Faustball und Fußball freudige Anhänger. Nachdem sich die Sparte Fußball im Jahre 1924 trennte und den Sportverein VfL Wahrenholz gründete, intensivierte der Turnverein Concordia seine Aktivitäten mit Geräteturnen und Leichtathletik.

Inzwischen hatten auch Frauen Freude am Turnen gefunden. Mit diesen Aktiven gelangte der Verein in den 20er und 30er Jahren im damaligen Altkreis Isenhagen zu einer beachtenswerten Blüte, an die stolze Wettkampfergebnisse erinnern. Als größte Festlichkeit wurde in diesem Vereins-Vierteljahrhundert 1928 ein Turnfest in Wahrenholz, verbunden mit einer Fahnenweihe, gefeiert. Heute grüßt uns die Fahne in neuem Glanz, erinnernd, aber auch fordernd. Mit ihrer Stickerei, dem wieder ausschlagenden, abgeschnittenen Eichenstamm und dem Deutschen Adler, der der aufgehenden Sonne entgegensteigt, versinnbildlicht sie ein ständiges Erneuern.

Hier darf ich einmal zum damaligen Turnen ergänzen: Dass die Übungsabende mittwochs und sonnabends immer ständig besucht wurden, war eine selbstverständliche Sache. Man schätzte nicht nur turnerische Aktivitäten, sondern auch Disziplin und Geselligkeit. So trainierte man den Körper und sportlichen Leistungen. 40 stramme junge Männer erschienen und schmissen sich im alten Übungszimmer der Sänger, über der Gaststube, in ihren Sportdress. In 4 Riegen, in exakten Schritten unter der gestrengen Anleitung der Vorturner, wurde der Übungsplatz im Saal erreicht. Jede dieser Riegen ertüchtigte sich gleichzeitig an einem Sportgerät: Am Barren, Reck, Pferd und an den Ringen. Zu Weihnachten und Ostern wurden auf Matthies’ ausgebuchtem Saal Schauturnen veranstaltet, bei denen sich nicht nur Vereinskameraden in fröhlichem Wettkampf maßen, sondern es nahmen auch außerörtliche Turner, häufig aus Ohrdorf und Stöcken, daran teil. Hatte man hier Gästeturner, so revanchierte man sich natürlich wieder im Heimatort dieser Gäste. Selbst in der damals arbeitsreichen Erntezeit wurde geturnt, allerdings begannen die Übungsstunden dann erst um 22:00 Uhr. 1929 vereinigten sich Turn- und Sportverein, aber ab 1931 arbeiteten sie erneut getrennt.

 

Mädchenturngruppe

unten links: Friedesinchen Bührke (Jahrgang nicht dokumentiert)

 

1940 bestand der TVC nun 30 Jahre unter der großartigen Leitung von Friedrich Alpers, einem der einstigen Mitbegründer. Auch im 2. Weltkrieg wurde das Wirken des TVC ab 1942 völlig unterbrochen. 16 Turnbrüder kehrten nicht zurück. 1946 startete man zunächst mit der Sparte Fußball, denn die Militärregierung genehmigte für Sport nur einen Verein. So wurde das Kreiskinderturnfest am 03.05.1948 im Rahmen des VfL durchgeführt. Am 31.01.1949 fanden sich Turner im damaligen Vereinslokal Matthies zusammen und ließen den Verein, unter Friedrich Fromhage als Vorsitzenden, unter seinem alten Namen wieder aufleben. Nach der Entnazifizierung kam ein breiter Turnbetrieb schnell wieder in Gang. Die Begeisterung des Turnens und der Akrobatik strahlte auch auf die Nachbardörfer aus, so wurde in Wesendorf erst durch Ernst Gaes und Karl Sölter ein Turnbetrieb aufgebaut. Schon am 25.01.1949 fand ein Werbe- und Schauturnen mit einer Männerriege aus Goslar auf Matthies Saal statt, dessen Jahresmiete 80 RM betrug. Auf dieser Veranstaltung warb auch Alfred Schwarzmann, der Olympiasieger von 1936, für das Turnen. Vor diesem Wettkampf wurde beschlossen, die 36 Teilnehmer bei Turnwart Friedrich Borchers mit Kartoffelsalat und Eiern zu bewirten. Kartoffeln habe dieser zu liefern, Eier wurden gesammelt.

84 Männer und 14 Frauen betrieben Männer- und Frauenturnen, Tischtennis, Faust- und Handball, Turnen war reines Geräterturnen. Damals sah der Übungsplan einer Woche so aus:

Montag: Tischtennis und Mädchenturnen
Mittwoch: Knaben- und Männerturnen
Donnerstag: Damenturnen
Sonnabend: Männerturnen und Alte-Herren-Turnen

 

Kreisturnfest in Gifhorn

(Jahr unbekannt) In der Reihe der Wimpel von links: Friedrich Borchers sen., Anni Mohs und Helmut Mollenhauer

 

1950 fand anlässlich des 40jährigen Vereinsjubiläums am 20. August mit 400 Teilnehmern das 3. Kreisturnfest in Wahrenholz statt. Unter dem Vorsitzenden Lehrer Rühl strebte der Verein 1953 einer 2. Blütezeit entgegen. Turnfeste wurden besucht und gute Leistungen spornten ständig an. Sie motivierten neu und befruchteten die Turnarbeit der kommenden Jahre. Eine neue Sparte des Vereins hatte unüberhörbare Akzente gesetzt, nachdem seit 1949 bewährte ältere Spielleute mit Jugendlichen im Spielmannszug übten und großen Anklang fanden. 1953 wurde diese Sparte in den TVC aufgenommen. In Wahrenholz fand 1955 ein Turnvergleichswettkampf statt. In diesem Jahr wurde Heinrich Wendt Vorsitzender. Die Wahrenholzer Turner stellten sich in Bestform vor. Auswärtige Vereine wurden damals schon am Vortag, einem Sonnabend, empfangen und erhielten in Privatquartieren Übernachtung und Verpflegung. Nach dieser Blütezeit zog bald eine Vereinskrise herauf, die schließlich 1958 mit nur noch 58 Mitgliedern zum vollen Erliegen fast aller aktiven Turnarbeit führte. Hinzu kam noch, dass der TVC am 01.04.1958 seine bisherige Übungsstätte, den Matthies’schen Saal, verlor. Ein neuer Besitzer wollten an Sonnabenden lieber Kinovorstellungen geben, was sich nicht mit dem Turnbetrieb vertrug.

 

Wahrenholzer Turner beim Landesturnfest in Verden etwa 1952

von links: Karl Sölter, Friedrich Meyer (Sattler), Friedrich Borchers, Hans-Jürgen Streibel und Adolf Fromhage (Kassen-Adolf)

 

So sann der feste Stamm der Turner, unter dem 1951 von aktiven Turnern gestifteten Vereinswimpel, im neuen Vereinslokal Karl Meyer am Bahnhof, mit Hilfe des inzwischen neuen Vorsitzenden Helmut Mollenhauer, auf Abhilfe. Die Wahl des neuen Vereinslokals wurde übrigens nach Stimmengleichheit durch das Los entschieden, das auf die Gaststätte Karl Meyer und nicht auf das Lokal Paul Krendel fiel. Man turnte zwar im Sommer auf dem Schützensaal, im Winter jedoch war das Training trotz der Kanonenöfen häufig unmöglich. Hier wurde 1960 auch das 50jährige Stiftungsfest gebührend gefeiert. Dabei wurde auch eine weitere Ehrentafel mit den Gefallenen des 2. Weltkrieges enthüllt. 1961 richtete der Verein das Gaukinderturnfest in Wahrenholz aus. In den folgenden Jahren wurde der TVC hauptsächlich vom Spielmannszug repräsentiert, dessen Leistungen besonders beim Spielmannszugtreffen am 1. Mai 1969, auf dem Schützensaal in Wahrenholz, sicht- und hörbar wurden.

Turnerisch flackerten während dieser Jahre, erneut unter dem Vorsitz von Friedrich Fromhage, wiederholt Impulse auf, Inaktivität wurde zeitweise abgeschüttelt und einer neuer Anlauf wurde gewagt. Auch auf dem Schützensaal fanden die traditionellen Sparten vorübergehend frischen Auftrieb. Aber auch diese hoffnungsvollen Anläufe im Turnbetrieb kamen wieder zum Erliegen. 1970 wurde von Günter Schmudlach die Sportabzeichen-Aktion der Leichtathletik mit sofortigem Erfolg begonnen, von 42 Teilnehmern bestanden sie 33 auf Anhieb.

Um einen zeitgemäßen Übungsraum anzustreben, wurde bereits seit 1964 durch Spenden und Sammlungen ein Kapitalgrundstock geschaffen, mit dem 1971 die Einrichtung der neuen Schul-Turnhalle ergänzt werden konnte. Getreu dem Versprechen des damaligen 1. Vorsitzenden Ernst Gaes bei der Halleneinweihung, diese mit turnerischem Leben zu füllen, hat der TVC seine Aufgaben überarbeitet und erweitert.

Den Befürwortern des Baus einer größeren Halle, die dann auch verwirklicht wurde, gilt heute noch der besondere Dank für ihre Weitsicht, weil sie mit Nachdruck für die Erstellung dieser optimalen Übungsstätte gesorgt hatten, denn damit wurden sinnvolle turnerische Betätigungen in angemessener Umgebung weitgehend ermöglicht. Vielseitiger Turnbetrieb erfüllte nun die Halle. Der langersehnte Aufwärtstrend stellte sich ein, er spiegelte sich in vermehrten Übungsstufen und im rapiden Anwachsen der Mitgliederzahl wieder. Es war das Jahr enormer Motivationen zu besonderen Sportaktionen.

Damals begannen am 29.03.1971 die Damengymnastinnen, unter der Leitung von Heide-Marie Kiemann, mit ihrer Arbeit, und zwar anfangs mit 7 Damen. Am Jahresende waren es immerhin schon 35. Auch der Spielmannszug wuchs unter seinem Leiter Friedrich Borchers auf 41 Mitglieder an. Zu diesem Zeitpunkt turnten 42 Jungen und 85 Mädchen unter mehreren einsatzfreudigen Übungsleiterinnen: Jutta Wenzel, Elfriede Schmudlach, Elfie Mollenhauer und Bärbel Tack. Den Lohn dieser Arbeit stellten dann auch 21 Jungturner auf dem Bezirksturnfest in Braunschweig unter Beweis. Ebenfalls glänzten Wahrenholzer Turner erneut auf dem Gauturnfest in Gifhorn, so wie auf dem eigenen Hallenturnfest.

1973 zählte der TVC stattliche 268 Mitglieder, darunter 147 Jugendliche und 47 Frauen. Als neu aufgelebte Sparte erfreute sich der Handball, unter Leitung von Walter Burnus, großer Beliebtheit. Der Spielmannszug verlor vorübergehend seine Anziehungskraft und schrumpfte auf 30 Spielleute. Das erste Volkswandern wurde 1973 von Günter Schmudlach veranstaltet. 1974 wurde die Aufbauarbeit bei den Mädchen mit den neuen Übungsleiterinnen Inka Schmudlach und Annegret Sölter weiter fortgesetzt. Vermehrte Aktivitäten zeigten ebenfalls die Leichtathleten, die Gymnastinnen und nun auch wieder der Spielmannszug, der unter seinem neuen Leiter Paul Schulze auf 50 Mitglieder anwuchs. Männliche Jugendliche ließen allerdings nur einen schleppenden Übungsbetrieb erkennen, dessen Grund sicher in der geringen Öffentlichkeitswirkung und Mangel an Übungsfleiß zu finden war.

Das Turnen der Jungen und Mädchen verlor 1975 wegen Übungsleitermangels leider an Intensität. Trotzdem wurden mit wenigen Aktiven Gauturnfeste besucht und gute Platzierungen erreicht. Der Spielmannszug wuchs auf 54 Aktive an. Auch 1976 war ein Jahr der Mädchen, denn drei weitere Mädchengruppen ermöglichten Leistungsdifferenzierungen. So stellten auf Gaurundenwettkämpfen in Fallersleben, beim Gauturnfest in Wolfsburg und dem Schauturnfest in unserer Halle, Mädchen ihr Können einem breiten Publikum vor und spiegelten einen respektablen Querschnitt der Turnarbeit wieder.

Für 50jährige Mitgliedschaft wurde u.a. Ernst Sölter geehrt, der sich besonders während der von Inaktivität gekennzeichneten mageren Vereinsjahre als Bewahrer des Vereins verdient gemacht hatte. 1977 erfuhr das Kinderturnen durch die neuen Übungsleiterinnen Gudrun Pietsch und Annegret Meyer neue Impulse. Während sich das Mädchenturnen reduzierte, konnte das Jungen- und das Alte-Herren-Turnen wiederbelebt werden. Dabei haben besonders Ernst Gaes, Walter Burnus und Helmut Mollenhauer durch ihre unermüdliche Mithilfe das Geräteturnen gefördert. Die Handballer stellten dagegen ihre Tätigkeit ein. Die Leichtathleten beschränkten sich nur noch auf die Sportabzeichen-Aktion. Auch der Spielmannszug erlebte in diesem Jahr eine Talfahrt.

Mit Gundi Bührke, Hannelore Bock und der Assistenz von Ernst-Benno Meyn sollte die Gruppe jedoch bald neuen Auftrieb erhalten. Fräulein Thiele führte mit 25 Kindern Haltungsturnen durch. 1979 wurde das Mädchen-, Jungen- und Männerturnen infolge Übungsleitermangels eingestellt. Nur das Haltungsturnen erfreute sich weiterhin großer Beliebtheit. Eine 24-köpfige Mädchengymnastikgruppe wurde in diesem Jahr unter der Leitung von Heide-Marie Kiemann ins Leben gerufen.

1980 wurde die Sportabzeichen-Aktion 10 Jahre alt. Das Mädchen- und Jungenturnen gaben Anlaß zu gedämpftem Optimismus. Unter Rüdiger Krafft entstand eine Volleyballgruppe mit etwa 40 Damen und Herren. 1981 wurde die Damen-Gymnastikgruppe 10 Jahre alt. Sie ist ein fundamentaler Spartenpfeiler unseres Vereins. Gezielte Aufbauarbeit leistete Rüdiger Krafft in der Volleyball-Abteilung. Desgleichen arbeiteten seine Frau und er mit Kindern. Dank ihres Einsatzes stand beachtlicher Zulauf ins Haus.

Weibliche und männliche Jugendliche zeigten während dieser Jahre kein Interesse am Turnen. Unter Übungsleiter Jürgen Knust bildete sich 1980/81 jedoch eine hoffnungsvolle Männerriege, die später von Daniel Müller geführt wurde. Mit ihrem turnerischen Einsatz war sie leider auch die letzte Männerturnriege im Turnkreis Gifhorn. In ihr beherrschten die Turner Jürgen Knust, Daniel Müller, Rainhard Cohrs und Gerd Krohm folgende Übungsteile: Die Sturzfelge, den Salto rückwärts am Hochreck, die Rolle rückwärts in den Stütz, den Unterschwung und die Schwebekippe am Barren, das Auskugeln und die Kippe an den Ringen, die Riesenfelge am Reck, den Handstand, den Unterschwung und die volle Drehung am Barren und am Trampolin den Salto rückwärts.

1984 übernahmen Erna und Klaus Großmann die Leichtathletiksparte und leiteten bis 1990 die Sportabzeichen-Aktion. Von 1990 bis heute liegt die Sportabzeichenabnahme in den Händen von Dr. Gerhard Kießler, Heide-Marie Kiemann und Manfred Reinhold. Wesentliche Hilfe dabei erfuhren diese in den letzten drei Jahren vom Ehrenvorsitzenden Ernst Gaes und Herrn Matthias Wolff sowie Manfred Rotermund beim Radfahren.

1994 und 1995 konnte der TVC aufgrund der kreisweit größten Anzahl bestandener Sportabzeichen unter 15 Mitbewerbern jeweils den 1. Preis erringen. Auf Samtgemeindeebene wurde immer der 1. Platz erreicht. Im Gegensatz zu den schon 30 Jahren erfolgreicher Sportabzeichen-Aktion konnte das Männerturnen leider nicht aufrecht erhalten werden. Die letzten großen Auftritte der damals einzigen Männerturnriege im Kreis Gifhorn fanden 1984 bei der Einweihung der Großturnhalle in Wesendorf mit einem spektakulären Schauturnen und im folgenden Jahr beim 75jährigen Jubiläum des TVC auf Schöneckes Saal sowie 1990 beim 80jährigen Bestehen des TVC in der Turnhalle Wahrenholz statt.

Im Jahre 1994 musste trotz der großen Turntradition, bedingt durch Nachwuchsmangel, leider der Übungsbetrieb eingestellt werden. Eine weitere ruhende Sparte im Turnverein entstand durch den Spielmannszug, der 1989, leider ohne Nennung von Gründen, den Turnverein verließ und sich der Schützengesellschaft anschloß. Erfreulicherweise haben neue Sparten inzwischen einen ermutigenden Zulauf bewirkt. Dazu gehört insbesondere die Sparte Volleyball, die, wie bereits erwähnt, 1981 von Rüdiger Krafft ins Leben gerufen wurde. Diese Freizeitmannschaft steht seit 1986 unter der Leitung von Dr. Gerhard Kießler und führt regelmäßig Pokalspiele gegen Hankensbüttel und Knesebeck durch.

 

Beim Deutschen Turnfest 1998 im Olympia-Stadion München

Dr. Ingrid Surborg und Heide-Marie Kiemann als Wettkämpferinnen im 100m-Lauf der Frauen für das Deutsche Sportabzeichen

 

Eine wohl entscheidende Erweiterung erfuhr der Volleyball im TVC 1989 mit dem Aufbau einer Mädchen-Volleyball-Gruppe unter der erfolgreichen Anleitung von zunächst Manfred Reinhold. Herbert Pieper übernahm die Leitung und erreichte 1998 mit ihr in der Jugendrunde des Bezirks Braunschweig den 1. Platz. Seit 1999 nimmt diese Mannschaft in der Frauen-Volleyball-Kreisklasse an den Punktspielen teil. Jörg Ladenberger und Rabea Berger betreuen den Nachwuchs ab 10 Jahren in dieser Sportart. Freizeit-Volleyball wird seit 1993 auch von einer Jungen-Volleyball-Gruppe und seit 1995 von einer Damen-Volleyball-Gruppe ausgeübt.

Eine weitere neue Sparte wurde von Herrn Matthias Wolff 1996 mit dem Lauftreff ins Leben gerufen. Diese Gruppe trifft sich regelmäßig zum Lauftraining und nahm bereits am Gifhorner Sylvesterlauf und weiteren außerörtlichen Laufwettbewerben teil. Sie richtete schon 2 erfolgreiche Volksläufe in Wahrenholz aus. Bereits von 1981 bis 1986 nahmen Vereinsmitglieder auf Kreisebene an Waldlaufmeisterschaften teil. Dabei wurden 1982 Frau Dr. Ingrid Surborg bei den Frauen in der Altersklasse 1 sowie Frau Margrit Balke in der Altersklasse 3 Kreismeister. Martin Schulz wurde 1985 Kreismeister über 3000 m und 1986 Kreismeister über 5000 m.

 

Alter und neuer Vorstand im Jahre 1990

von links: Walter Burnus, Gundi Krause, Dr. Gerhard Kießler, Ernst Gaes, Heide-Marie Kiemann, Manfred Reinhold, Ulrich Lahmann

 

Großen Zulauf hat ebenfalls immer das Kinderturnen gebracht, in dem 1982 Frau Rackwitz-Krafft mit dem Mutter-Kind-Turnen eine neue Sportart für Mütter mit Kleinkindern einrichtete. 1986 wurden 4 Kinder-Turngruppen mit 90 Kindern betreut. Frau Nicole Burnus und Frau Marion Evers übernahmen ab 1993 als Übungsleiterinnen 3 Kindergruppen. 1999 übernahm Frau Arnscheid die Gruppen von Frau Burnus. Besonders die turnerische Arbeit mit den Kindern ist wichtig, weil dort die Grundlagen für spätere sportliche Entwicklungen gelegt werden. Um die Angebotspalette an Sportarten auszuweiten, bot Kerstin Schönhals von 1994 – 1997 “Turnen und Spiele für Jugendliche” an.

1998 wurde eine Basketball-Gruppe ins Leben gerufen, die noch heute besteht. Für ältere männliche Mitglieder bot Manfred Rotermund seit 1996 eine Männer-Gymnastik an, in der seit 1997 8 Männer an den entsprechenden Übungsstunden des MTV Gifhorn teilnehmen. Als Rückgrat des Vereins erwies sich die 1971 von Heide-Marie Kiemann gegründete Damen-Gymnastikgruppe, die nun schon fast 30 Jahre aktiven Sport betreibt. So nahmen Frau Dr. Ingrid Surborg und Heide-Marie Kiemann auch an den Deutschen Turnfesten 1983 in Frankfurt, 1987 in Berlin und 1998 in München als Wettkämpfer teil. 21 Jahre führten die Frauen im Alter von 20 – 60 Jahren jeden Montagabend ihre Übungsstunden gemeinsam durch.

im Olympia-Stadion München Ingrid Surborg und Heide-Marie Kiemann als Wettkämpferinnen im 100m-Lauf der Frauen für das Deutsche Sportabzeichen.

1992 teilte sich die Gruppe in eine Junioren- und eine Seniorengruppe auf. Mit gezielteren und auf das jeweilige Alter besser zugeschnittenen Übungsangeboten wird seit der Trennung auf eine optimale Effektivität hingearbeitet. Weiterhin werden beide Gruppen von Heide-Marie Kiemann geleitet. Als Vertreter stellen sich helfenderweise Frau Marion Evers, Frau Ursula Gründeman und Frau Hildegard Radke zur Verfügung. Der Zusammenhalt dieser Gruppen ist sehr erfreulich. Besonders aus der zahlenmäßig starken Seniorengruppe erklären sich immer Helferinnen über die eigentlichen Gymnastikstunden hinaus bereit, andere Aktivitäten zu unterstützen. So war der Verein personell in der Lage, das Volkswandern bereits seit 27 Jahren und das Radwandern seit 11 Jahren durchzuführen. Das Radwandern wurde 1989 von Obmann Erich Kiemann erstmalig ausgearbeitet, seit 16 Jahren ist er ebenfalls für die Volkswander-Vorbereitungen zuständig. Außerdem organisiert er die mehrtägigen Vereinsfahrten.

Günter Schmudlach hatte 1983 die erste fünftägige Fahrt nach Sand in Taufers, in Südtirol durchgeführt. Unter Erich Kiemanns Leitung folgten 1985 eine Fahrt in die Eifel, 1987 in das Elsaß, 1990 ins Sauerland, 1992 ins Altmühltal, 1994 ins Erzgebirge, 1996 nach Ostpreußen, 1998 nach Thüringen und im Jahr 2000 nach Landeck in Tirol. Die besonderen Erlebnisse dieser Fahrten haben das Gemeinschaftsgefühl des Vereins immer sehr gefördert. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass ein dörflicher Verein ohne die ehrenamtliche Mitarbeit vieler Vereinsangehöriger auf Dauer nicht bestehen kann. So konnten 1988 der heutige Ehrenvorsitzende Ernst Gaes und der damalige Schriftführer Ulrich Lahmann für 20 Jahre Vorstandsarbeit geehrt werden.

Der heutige Vorstand setzt sich seit 1990 aus dem 1. Vorsitzenden Dr. Gerhard Kießler, dem 2. Vorsitzenden Manfred Reinhold und der Geschäftsführerin Heide-Marie Kiemann zusammen. Ihre 10jährige Vorstandsarbeit wurde in diesem Jahr bereits gewürdigt. Seit 1992 war Frau Barbara Camehl bis 1998 Kassiererin, seither hat Frau Dr. Ingrid Surborg dieses Amt inne. Wir hoffen, dass sich immer ehrenamtliche Mitglieder finden werden, die bereit sind, diesen Verein weiter zu führen.

An einem solchen Jubiläum mag die Frage erlaubt sein, welche Aktivitäten der TV Concordia wohl nach weiteren 10 Jahren aufweisen wird? Wir hoffen, dass aus der Vielzahl der turnenden Kinder möglichst viele dem Verein treu bleiben werden, obwohl man heute überall beobachten kann, dass langjährige Bindungen an einen Verein unattraktiv erscheinen. Bedenkt man die große Anzahl der Erkrankungen, die ihre Ursachen im Bewegungsmangel haben, sollte man glauben, das es allen einleuchtet, mit stetiger sportlicher Betätigung diesem Mangel am besten, preiswertesten und schönsten im Verein entgegenwirken zu können.

Das Beispiel eines früheren Turners des TVC Wahrenholz mag zeigen, wie der Sport junge Menschen gesundheitlich, aber auch in ihrem beruflichen und privaten Leben voranbringen kann. Der 14jährige Hans-Jürgen Streibel, Sohn einer Flüchtlingsfamilie, lernte zu Beginn der 50er Jahre bei Albert Busch in Wahrenholz den Beruf eines Landmaschinenschlossers. In seiner Freizeit ging er, wie damals so viele seiner Altersgenossen, zum Turnen des TV Concordia auf Matthies’ Saal. Unter der fachkundigen Anleitung des Vorturners Friedrich Borchers sen. erlernte er das Geräte-Turnen. Dank seiner Veranlagung und seines Übungsfleißes war er bald ein herausragender Turner. Nach dem Abschluß seiner Lehre wanderte er kurz entschlossen nach Kanada aus, weil er sich dort bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten erhoffte. Das erwies sich jedoch als Trugschluß, denn er musste zunächst als Waldarbeiter unter bitterer Kälte und ohne angemessene Arbeitskleidung sein Leben fristen. Erst nach 14 Tagen Arbeit erhielt er seinen ersten Lohn und konnte sich nach und nach entsprechend einkleiden.Nach fast zwei Jahren ergab sich für ihn die Möglichkeit, endlich seine beruflichen Kenntnisse als Facharbeiter beim Brückenbau einzubringen. Nachdem er einiges Geld gespart hatte, kehrte er nach Deutschland zurück, um ein Studium zu beginnen. Da er kein Abitur vorweisen konnte, hätte er dieses damals nur nach einem längeren Schulbesuch erwerben können. So kehrte er bald nach Kanada zum Brückenbau zurück.

Unter seinen Arbeitskollegen fand er einige, die ebenfalls ein starkes Interesse am Geräte-Turnen hatten. In einer nahe gelegenen Turnhalle entdeckten sie zufällig unbenutzte Turngeräte, denn das Turnen an Geräten war dort nicht üblich. Umgehend wurde nun regelmäßig geturnt. Ein christlicher Verein bemerkte dieses Treiben und organisierte ein Schauturnen in der Nähe der Grenze zu den USA. Wiederum zufällig wurde ein amerikanischer Universitäts-Professor auf das eindrucksvolle Können an Turngeräten von Hans-Jürgen Streibel, das dort gänzlich unbekannt war, aufmerksam und verpflichtete ihn auf der Stelle, an seiner Hochschule dieses Turnen einzuführen. Als Gegenleistung durfte er zwei technische Fächer, auch ohne Abitur, studieren. Nach einigen Semestern konnte er herausragende Abschlußprüfungen ablegen. Dadurch standen ihm viele lukrative Berufswege offen. Später erarbeitete er sich mehrere Patente in der Militärtechnik und meldete sie an. Heute ist er noch als Berater für militärische Stäbe in den USA tätig.

Im Sommer 1999 war Hans-Jürgen Streibel wieder in Wahrenholz zu Besuch. Leider konnte er zu diesem Abend nicht kommen. Aber er ist immer noch dankbar für seine turnerische Ausbildung im Turnverein Concordia Wahrenholz.

Nach 12-jähriger Tätigkeit legen Dr. Gerhard Kießler und Manfred Reinhold im Frühjahr 2002 ihre Ämter nieder.

 

Vorstand bis März 2002

(von li. nach re.) Manfred Reinhold, Heide-Marie Kiemann, Dr. Ingrid Surborg, Dr. Gerhard Kießler

 

Benutzte Quellen:

  • Altes Protokollbuch und neues Protokollbuch
  • Kassenbuch und Mitgliederlisten von 1910 bis 1921
  • Mitgliederlisten und Beitragslisten von 1949 bis 1967
  • Berichte und Belege von 1935 bis 1989
  • Aktuelle Berichte und Belege von 1990 bis 2000
  • persönliche Erinnerungen des Ehrenvorsitzenden Ernst Gaes